Aufruf an die internationale Gemeinschaft, Juni 2006
Am 25.06.2006 haben die palästinensischen Al-Quassam-Brigaden einen israelischen Soldaten entführt. Er ist die zweite Geisel seit dem Abzug der israelischen Truppen aus dem Gaza-Streifen im September 2005. Die Israelis hingegen halten ihrerseits mehr als 12.000 Palästinenser gefangen, davon Hunderte seit mehr als 25 Jahren. Unter ihnen befinden sich ca. 450 Kinder unter 18 Jahren sowie 130 Frauen.
Aufgrund der Entführung eines einzelnen Soldaten hat Israels Armee in der Nacht zu Donnerstag im Westjordanland insgesamt 64 Palästinenser festgenommen, darunter 8 Minister, das ist ein Drittel der vom Volk gewählten Regierung. Auch wurden weitere 23 gewählte Parlamentsmitglieder inhaftiert.
Eine Freilassung ist nach Auskunft der israelischen Armee nicht zu erwarten, die Gefangenen werden derzeit vom Geheimdienst und der Polizei verhört.
Zudem rückten israelische Panzer in den Gaza-Streifen vor und israelische Kampfflugzeuge haben die Universität von Gaza unter Beschuss genommen.
Diese Militäraktion ist ein offener Krieg nicht nur gegen die palästinensische Regierung, sondern vor allem auch gegen das notleidende Volk. Einziges Ziel der Israelis und dieser Militäraktionen ist es, die vom Volk gewählte Regierung der Palästinenser zu zerstören.
Nach jahrelangen Enttäuschungen und leeren Versprechungen war die Wahl der Hamas vor allem ein Hilfeschrei der Bevölkerung gegen das Fortbestehen der israelischen Besatzung, der Willkür und der daraus resultierenden wirtschaftlichen Not.
Der Wunsch der Israelis nach Zerschlagung der Hamas-Regierung darf sich nicht in todbringenden militärischen Aktionen gegen die palästinensische Zivilbevölkerung widerspiegeln.
Wir rufen daher die internationale Staaten-gemeinschaft auf, ihre Verantwortung gemäß der Vierten Genfer Konvention wahrzunehmen und das palästinensische Volk vor den militärischen Übergriffen der Israelis zu schützen, zu unterstützen und insbesondere die vorhandenen Bemühungen zur Eindämmung der humanitären und wirtschaftlichen Krise des palästinensischen Volkes zu verstärken.


