Nachdem Israel seit Jahrzehnten systematisch jegliches Recht bricht, greifen Palästinenser zur Entführung eines israelischen Soldaten als Mittel des Widerstands, um Frauen und Kinder unter den Tausenden der von Israel gekidnappten und seit Jahren gefangen gehaltener Palästinenser freizubekommen. Daraufhin greifen 5000 Soldaten mit Panzern und Kampfflugzeugen die Zivilbevölkerung im Gazastreifen an
Israelische Sonderkommandos fielen in der Westbank ein, um Mitglieder der Hamas, darunter Minister, Bürgermeister und gewählte Parlamentarier zu kidnappen.
Die israelische Armee zerstört beim Gaza-Einmarsch zuerst zentrale Teile der Infra-struktur - darunter drei Brücken und das wichtigste Kraftwerk. Hunderttausende Palästinenser sind seitdem ohne Strom, auch die Wasserversorgung ist zusammen-gebrochen. Mit diesen Methoden, nicht durch Verhandlungen über die berechtigte Forderung nach Freilassung der palästinensischen Gefangenen, soll das Leben des israelischen Soldaten gerettet werden? Tatsächlich wird durch die Zerstörungen die Salahadin-Brücke im Gazastreifen verhindert, dass Kranken-wagen und Feuerwehrfahrzeuge dahin gelangen können, wo sie gebraucht werden.
In Rafah flohen Palästinenser in ihrer Angst vor israelischen Bombardements aus ihren Häusern. Bewaffnete Gruppen mühten sich, Sandwälle aufzuschütten und Gräben aus-zuheben, um der Militärinvasion etwas entgegenzusetzen. Israels Minister für Innere Sicherheit, Avi Dichter, drohte derweil damit, auch Syrien anzugreifen. »Die Hauptquartiere von Hamas und Islamischem Dschihad und ihre Chefs sind in Damaskus, und die Syrer wissen genau, wo«, sagte er. »Das gibt Israel freie Hand, diese Mörder zu treffen.«
Tatsächlich hat Israel »carte blanche«. Die großen Nachrichtenagenturen und Internet-medien sind nach Kräften bemüht, so zu tun, als gäbe es im Nahen Osten keinen neuen Krieg. AP titelte in Anlehnung an einen populären Fußballhit »Israelische Bodentruppen kehren in den Gazastreifen zurück«, Spiegel online rechtfertigte die Aggression direkt: »Dem Judenstaat bleibt nichts anderes, als Härte zu zeigen.« Beim ARD-Portal tagesschau.de durfte der israelische Politikwissenschaftler Efraim Inbar ausführen, der Einmarsch im Gazastreifen sei lange geplant und »überfällig« gewesen.
Israels neuerliche Invasion begann rund 14 Stunden, nachdem die Agenturen die Eil-meldung verbreitet hatten, die großen palästinensischen Parteien - einschließlich der regierenden Hamas - seien zur Anerkennung Israels bereit.
Israel erkennt das Existenzrecht der Palästinenser nicht an und setzt, ungehin-dert durch internationale Institutionen sowie selbst Regierungen, das Recht des Stärkeren gegenüber einer Bevölkerung durch, die der Gewalt schutzlos ausgesetzt ist.
Die Bundesregierung unterstützt diese Politik maßgeblich, anstatt Israel zur Einhaltung des Völkerrechts zu ermahnen.
Die Verachtung von Menschenrechten und Humanität, die der Weltöffentlichkeit von der israelischen Regierung und Armee in den besetzten palästinensischen Gebieten tagtäglich vorgeführt wird, hat ein Maß erreicht, das kein Schweigen mehr zulässt.
Wegschauen, Schweigen, stilles oder halblautes Dulden,
- heißt hinzunehmen, dass Recht und Gerechtigkeit mit Füßen getreten werden
- heißt hinzunehmen, dass wehrlose Menschen drangsaliert, umgebracht und gefangen genommen werden,
- heißt hinzunehmen, dass eine ganze Gesellschaft mit den Mitteln von Macht und Gewalt terrorisiert wird,
- heißt hinzunehmen, dass die Geschicke in Politik und Gesellschaft durch Herrschaft und militärische Stärke bestimmt werden.
Nicht nur in Palästina, auch andernorts auf dem Globus.
Nicht nur in Palästina, auch in Israel,
Nicht nur in Palästina, auch im gesamten Nahen und Mittleren Osten, auch in Amerika, in Europa und hier in der Bundesrepublik Deutschland.
Deshalb rufen wir Sie auf:
Protestieren Sie mit uns lautstark gegen die Ausschreitungen der israelischen Armee in den besetzten palästinensischen Gebieten!
Stehen Sie auf, gegen Terror und Gewalt dort!
Setzen Sie sich für ein Ende der Besetzung Palästinas ein!
Schützen Sie die Menschenrechte und das Völkerrecht vor Terror und Gewalt!
European Jews for a Just Peace (EJJP)
International Solidarity Movement (ISM)
Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost (EJJP)
Berlin, Juni 2006


