Geschlechtergerechtigkeit war von Anfang an in den Statuten von Attac Deutschland als politisch-strategisches Ziel verankert und wird theoretisch sicher von den meisten Attacies geteilt. Ebenso ist bei vielen ein diffuses Wissen darüber verbreitet, dass die neoliberale Globalisierung nicht geschlechtsneutral ist, sondern zum einen soziale Ungleichheiten und Geschlechterunterschiede für kapitalistische Verwertung und Gewinnsteigerung nutzt, zum anderen unterschiedliche Auswirkungen auf Frauen und Männer hat. Die politische Praxis von attac, die Organisationsstrukturen wie auch die politische Analysen und Kämpfe, berücksichtigen die Frage der Geschlechtergerechtigkeit jedoch nur höchst selten.
Damit sich das langsam ändert, muss gegengesteuert werden. Ein herrschaftskritisches, emanzipatorisches Projekt darf geschlechtsspezifische Herrschaftsformen nicht ignorieren, eine basisdemokratische Bewegung muss Geschlechterdemokratie zu einem ihrer Organisationsprinzipien machen, eine globalisierungskritische Bewegung muss sich auch feministische Globalisierungskritik zu eigen machen. Deshalb fand auf dem Ratschlag eine erste Debatte zu dem Thema statt. In einer Arbeitsgruppe wurde diskutiert, dass die G8-Kampagne ein geeignetes politisches Testfeld ist, um geschlechtssensible Ansätze bei attac zu stärken.
Deshalb wurden im Plenum folgende richtungsweisende Punkte beschlossen:
- In alle Themen, die attac im Zusammenhang mit G8 bearbeitet, sollen geschlechtsspezifische Analyse eingebracht werden.
- Attac strebt an, dass bei allen von uns organisierten Veranstaltungen, vor allem auf den Podien mindestens 50% Frauen teilnehmen.
- Bei der Evaluierung von G8 auf der nächsten Sommerakademie soll speziell darauf geachtet werden, ob dem Prinzip der Geschlechtergerechtigkeit Rechnung getragen wurde.
Diese programmatischen Beschlüsse werden dieser Neuauflage des Readers zu G8 vorangestellt, um den Auftrag zu mehr Geschlechtergerechtigkeit für die Zukunft festzuschreiben. In der G8-Kampagne eignen sich folgende Themenkomplexe besonders dazu, eine Geschlechterperspektive zu integrieren und die bereits vorhandenen feministischen Analysen zu nutzen:
- Arbeit: geschlechtshierarchische und internationale Arbeitsteilung, Deregulierung und Informalisierung der Erwerbsmärkte
- Armut: Feminisierung der Armut und Armutsbekämpfung
- Sozialabbau und doppelte Privatisierung: Privatisierung öffentlichen Einrichtungen, Verschiebung öffentlicher Aufgaben an die Privathaushalte
- Handelsliberalisierung: konzerngesteuerter Freihandel auf Kosten von KleinbäuerInnen, KleinhändlerInnen, einheimischer Industrien, DienstleisterInnen etc.
- Migration: Feminisierung der Migration und der Rücküberweisungen
- Entwicklungsfinanzierung und Mikro-Kredite für Frauen
Eine andere Welt ist nicht möglich ohne Geschlechtergerechtigkeit!


