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Nationaler Rat des Volkskomitees (CNCP) in Martinique u. a.:

Kreolisch lernen - Zu den Streiks

Zu den Streiks und Massenprotesten in der Guadeloupe und Martinique

Guadeloupe: „Der Kampf hat sich gelohnt – aber wir müssen wachsam bleiben“

"Der Kampf hat sich gelohnt", sagt Elie Domota, "aber wir müssen wachsam bleiben." Nach 44 Tagen Generalstreik auf Guadeloupe hat der Gewerkschafter am Mittwochabend (4.3.) im Hafen von Pointe-à-Pitre ein Abkommen unterzeichnet, das den Streik beendet. Der detailreiche Text enthält 165 Punkte. Unter anderem werden die Niedriglöhne um 200 Euro angehoben, werden Grundnahrungsmittel, Schulmaterial, öffentliche Verkehrsmittel und Benzin billiger. Und im Straßenbild soll künftig auch die örtliche Sprache Kreolisch auftauchen.

"Wir können stolz auf uns sein", sagt Domota, nachdem das Abkommen endlich steht. Die Koalition "Liyannaj kont profitasyon" (LKP) - gemeinsam gegen Ausbeutung hat die französische Ant<st1:personname w:st="on">ille</st1:personname>ninsel seit 20. <st1:personname w:st="on">Jan</st1:personname>uar bestreikt. Das komplette Wirtschaftsleben auf der Insel, Tourismus und Bananenernte inklusive, lag seither brach. Eine große Mehrheit der 450.000 InselbewohnerInnen hat den Streik unterstützt. Bei manchen Demonstrationen waren bis zu 100.000 Menschen auf der Straße. Selbst die Ermordung eines Gewerkschafters in einer Nacht im Februar schreckte die Bewegung nicht ab. Dabei hat die Regierung im 7.000 Kilometer entfernten Paris wenig unversucht gelassen, den Streik abzuwürgen. Und auch die örtlichen UnternehmerInnen haben wiederholt versucht, ihn zu brechen. „

> http://www.taz.de/1/politik/amerika/artikel/1/streikende-setzen-sich-durch/

„Zusammen kämpfen wir, zusammen siegen wir“

„Wir haben erfahren, wie mächtig die Arbeiter sind, wenn sie sich in Bewegung setzen. (..) WIR sind diejenigen, die bauen, herstellen, wir schaffen den Reichtum derjenigen, die Guadeloupe plündern. Und WIR haben die Lösungen zu den Problemen der Gesellschaft“

„Nach diesem Streik haben viele verstanden, dass eine Organisierung notwendig ist, um zu kämpfen, um die Dinge zu ändern. Ein Lohnabhängiger muss einer Gewerkschaft angehören!“

(der CGT-Gewerkschaftsvorsitzende Jean-Marie Nomertin, s. www.alencontre.org)

Importabhängigkeit

„In der Guadeloupe gibt es 24% Arbeitslosigkeit. Vier „Béké“-Familien – Nachfahren der weißen Sklavenhändler – eignen sich die Gewinne des Imports an und beherrschen die Supermärkte - z.B. die Familie Hayot mit der großen Supermarktkette Carrefour.“ (CADTM).

J.M.Nomertin: „Die Exporte aus Guadeloupe betragen nur 8% des Imports – das heißt, dass wir für alle Bereiche unseres Lebens von den Importen abhängig sind, auch für unsere Ernährung.  (…) Während des Generalstreiks haben wir dieses Problem tagtäglich erfahren: Sicher, die kleinen Produzenten haben ein wenig Obst und Gemüse, Yamswurzeln geliefert, auch die Fischer haben uns versorgt. Aber wir haben festgestellt, wie unzureichend die lokale Nahrungsmittelproduktion ist. Es gibt z.B. keine Milchproduktion mehr!(..)

Ich möchte dabei die Rolle der Kapitalisten aufzeigen, die die Wirtschaft dieses Landes kontrollieren und sich jeglicher Form der lokalen Entwicklung widersetzen (..),Dazu gehören die Béké und die großen französischen und europäischen Konzerne (z.B. Nestlé). Und der größte Teil der landwirtschaftlichen Flächen ist in den Händen der Plantagenbesitzer, die Exportprodukte wie Bananen und Zuckerrohr anbauen.“

www.alencontre.org/GuaMaRe/GuadeloupeNomertin03_09.html

Nationaler Rat des Volkskomitees (CNCP), Martinique
Warum eine so starke Mobilisierung?

Drei Elemente sind zu bedenken:

1. Seit mehr als zwei Jahren haben die Gewerkschaften, welche die Hauptorganisationen der Arbeiter unseres Landes verbinden, eifrig daran gearbeitet, eine Plattform von gemeinsamen Forderungen zu erarbeiten. Sie organisierten Versammlungen von Aktivisten und regionale, der Öffentlichkeit zugängliche Treffen um diese Plattform zu erklären und abzuändern. Der verlängerbare Streik, der für den 5. Februar geplant war, war in den Gewerkschaften aufs Genaueste vorbereitet worden.

2. Die Wirkung der intensiven Klärungsarbeit durch die politischen antikapitalistischen und patriotischen Organisationen wurde sehr verstärkt, als die Arbeiter einerseits die immense Korruption in der Finanzwelt, die durch die Krise zum Vorschein kam, wahrgenommen haben und andererseits auch festgestellt haben, dass die Regierungen, die sie ins Elend befördert und die Sozialleistungen beseitigt hatten, die Vergabe von Milliarden an anrüchigen Investoren, die für die Krise verantwortlich waren, ankündigten. Die CNCP ihrerseits hat zahlreiche öffentliche Versammlungen einberufen, um die Krise zu erklären, die Gründe für die teuren Lebenskosten, und die Möglichkeiten, Dinge zu ändern (siehe APAL Nr. 286, Juli 2008). Andere Parteien wie die PCM hatten ebenfalls Initiativen in dieselbe Richtung ergriffen.

3. Die schamlose und extreme Ausbeutung, die unserem Volk durch die koloniale Beherrschung widerfährt, hat ungeahnte Ausmaße erreicht: Gewinnmargen von 400% im Handel, massive, fast tägliche Verteuerungen; obendrein hat die Regierung Sarkozys, welcher die Steuergeschenke für die Reichen multipliziert, eine steuerliche Erpressung großen Ausmaßes gegenüber den Familien in Martinique ausgelöst. Das Leben wurde einfach unmöglich gemacht.

Auszüge einer Analyse in > http://www.forumdesalternatives.org/FR/readarticle.php?article_id=
5535

Rosa Moussaoui

Das Volk von Martinique feiert seinen Sieg.

Antillen. Am Ende einer historischen sozialen Bewegung wurde am Samstag in Fort-de-France eine Vereinbarung unterzeichnet, die wichtige soziale Forteschritte enthält, .

 « Martinik lévé ! » (Martinique erhebe dich!). Der Slogan wurde am Samstag im Chor im Rhythmus der Trommeln wieder aufgenommen: 20'000 Demonstranten waren gekommen, um die Repräsentanten des Kollektivs des 5. Februars – die Initiatoren dieser historischen sozialen Bewegung - zu begleiten, die eine Vereinbarung unterzeichnen sollten, welche den 38 Tage dauernden Generalstreik beendete.

200 Euro Erhöhung

Die Hauptforderung wurde erfüllt: die Anhebung der Niedriglöhne. Vom 1. März an werden die Gehälter in der Privatwirtschaft bis zu einer Höhe von 1,4 SMIC um 200 Euros erhöht. Die Maßnahme betrifft 60% der Lohnabhängigen in dem privaten Sektor, also 47 000 Menschen. Wie in Guadeloupe steuert der Staat während drei Jahren 100 Euros zu diesen Lohnerhöhungen bei: Die RSA werden in Einkommen zur temporärer Unterstützung der Aktivität (RSTA,  revenu de soutien temporaire à l’activité) umgewandelt.

Die Unternehmen ihrerseits müssten je nach Größe zwischen 30 und 100 Euros zahlen, Region und Departement steuern den Rest bei. Für Löhne zwischen 1,4 und 1,6 SMIC beträgt die Erhöhung ist 4%, für die darüber 2%. Im öffentlichen Dienst gelten ähnliche Lohnerhöhungen.

Bei 400 Produkten werden die Preise in den großen Discountergeschäften um 20 % gesenkt. Bedeutende Preissenkungen wurden auch für Banktarife und die Mieten im sozialen Wohnungsbau festgelegt. Nach Ende des Streiks müssen die Verhandlungen bis zum 27. März in anderen bereichen fortgeführt werden, wie Landwirtschaft, Umwelt, Arbeitswelt, soziale Mindeststandards und auch Wasser- und Telefongebühren, Baumaterialien.

Die Umsetzung der verschiedenen Punkte der Vereinbarung wird durch thematische Kommissionen verfolgt, die ihre Schlussfolgerungen alle drei Monate veröffentlichen sollen. “ Das Kollektiv des 5. Februar nimmt sich das Recht, wieder zu streiken, sollten die unterzeichneten Vereinbarungen nicht respektiert werden, oder die Verhandlungen sich in die Länge ziehen”, warnte der Sprecher des Kollektivs, Michel Monrose.

Ein  Volksfest

In den Straßen von Fort-de-France hat ein riesiges und fröhliches Volksfest diesen historischen “Sieg”  gefeiert. “Diese kleine Revolution hat eine unglaubliche Volksenergie hervorgerufen, ein schönes Ausmaß an Solidarität, Großzügigkeit und  Brüderlichkeit”. Die Leute von Martinique ließen der Freude darüber, zusammen etwas erreicht zu haben, freien Lauf. “Sie sind stolz darauf, etwas als Volk erreicht zu haben”, meldet Antony Toussaint, Mitglied des Kollektivs vom 5. Februar. Diese Freude wurde vom MEDEF offensichtlich nicht geteilt, dem die Mobilisation des Volkes eine schwere Niederlage zugefügt hat, da er die Vereinbarungen unterschreiben musste. Diese Bewegung “hat einen guten Anteil der Wirtschaftskraft der Insel zerstört”, beklagt sich Patrick Lecurieux-Durival, Präsident der der Zweigstelle dieser Arbeitgeberorganisation in Martinique, und er droht mit dem Verlust von 10'000 Arbeitsplätzen im Jahr 2009. Mit mehr Nuancen schätzt Alexandre Richol, Präsident der CGPME, es als unmöglich ein, die Betriebe „als Einheit zu sehen, die ausschließlich Gewinne produzieren müssen”. “Die soziale Dimension muss in Zukunft bedacht werden”, gab er zu. Einige sprechen sogar von einen “Mai '68 der Ant<st1:personname w:st="on">ille</st1:personname>n”, und der Präfekt von Martinique, Ange Mancini, sprach von einer “Bewegung einer sozialen Reichweite, die man noch nie gesehen hatte, und die bewirkt, dass nichts sein wird wie vorher”. Was auf seine Art auch Daniel Gromat der CGTM bestätigt: ”Wir werden nicht hier anhalten. Der Kampf geht weiter. Nach vierhundert Jahren der Herrschaft muss man jetzt von Gleichheit und Teilen sprechen, um die Zukunft unserer Kinder vorzubereiten.”

> http://www.humanite.fr/2009-03-16_Politique_Le-peuple-martiniquais-fete-sa-viktwa

Zum Nachlesen:

In französischer Sprache:

-      > http://www.alencontre.org/dossier/guadeloupe.html

-      > http://www.humanite.fr/+-Antilles-Guadeloupe-Martinique-Guyane-La-
Reunion-LKP-pwofitasyon-Elie-Domota-+?var_mode=calcul

-      > http://www.europe-solidaire.org/spip.php?rubrique489

-      > http://www.cadtm.org/spip.php?article4301&var_recherche=guadeloupe

In englischer Sprache:

> http://www.europe-solidaire.org/spip.php?rubrique490

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