Nationaler Rat des Volkskomitees (CNCP), Martinique
Warum eine so starke Mobilisierung?
Drei Elemente sind zu bedenken:
1. Seit mehr als zwei Jahren haben die Gewerkschaften, welche die Hauptorganisationen der Arbeiter unseres Landes verbinden, eifrig daran gearbeitet, eine Plattform von gemeinsamen Forderungen zu erarbeiten. Sie organisierten Versammlungen von Aktivisten und regionale, der Öffentlichkeit zugängliche Treffen um diese Plattform zu erklären und abzuändern. Der verlängerbare Streik, der für den 5. Februar geplant war, war in den Gewerkschaften aufs Genaueste vorbereitet worden.
2. Die Wirkung der intensiven Klärungsarbeit durch die politischen antikapitalistischen und patriotischen Organisationen wurde sehr verstärkt, als die Arbeiter einerseits die immense Korruption in der Finanzwelt, die durch die Krise zum Vorschein kam, wahrgenommen haben und andererseits auch festgestellt haben, dass die Regierungen, die sie ins Elend befördert und die Sozialleistungen beseitigt hatten, die Vergabe von Milliarden an anrüchigen Investoren, die für die Krise verantwortlich waren, ankündigten. Die CNCP ihrerseits hat zahlreiche öffentliche Versammlungen einberufen, um die Krise zu erklären, die Gründe für die teuren Lebenskosten, und die Möglichkeiten, Dinge zu ändern (siehe APAL Nr. 286, Juli 2008). Andere Parteien wie die PCM hatten ebenfalls Initiativen in dieselbe Richtung ergriffen.
3. Die schamlose und extreme Ausbeutung, die unserem Volk durch die koloniale Beherrschung widerfährt, hat ungeahnte Ausmaße erreicht: Gewinnmargen von 400% im Handel, massive, fast tägliche Verteuerungen; obendrein hat die Regierung Sarkozys, welcher die Steuergeschenke für die Reichen multipliziert, eine steuerliche Erpressung großen Ausmaßes gegenüber den Familien in Martinique ausgelöst. Das Leben wurde einfach unmöglich gemacht.
Auszüge einer Analyse in > http://www.forumdesalternatives.org/FR/readarticle.php?article_id=
5535
Rosa Moussaoui
Das Volk von Martinique feiert seinen Sieg.
Antillen. Am Ende einer historischen sozialen Bewegung wurde am Samstag in Fort-de-France eine Vereinbarung unterzeichnet, die wichtige soziale Forteschritte enthält, .
« Martinik lévé ! » (Martinique erhebe dich!). Der Slogan wurde am Samstag im Chor im Rhythmus der Trommeln wieder aufgenommen: 20'000 Demonstranten waren gekommen, um die Repräsentanten des Kollektivs des 5. Februars – die Initiatoren dieser historischen sozialen Bewegung - zu begleiten, die eine Vereinbarung unterzeichnen sollten, welche den 38 Tage dauernden Generalstreik beendete.
200 Euro Erhöhung
Die Hauptforderung wurde erfüllt: die Anhebung der Niedriglöhne. Vom 1. März an werden die Gehälter in der Privatwirtschaft bis zu einer Höhe von 1,4 SMIC um 200 Euros erhöht. Die Maßnahme betrifft 60% der Lohnabhängigen in dem privaten Sektor, also 47 000 Menschen. Wie in Guadeloupe steuert der Staat während drei Jahren 100 Euros zu diesen Lohnerhöhungen bei: Die RSA werden in Einkommen zur temporärer Unterstützung der Aktivität (RSTA, revenu de soutien temporaire à l’activité) umgewandelt.
Die Unternehmen ihrerseits müssten je nach Größe zwischen 30 und 100 Euros zahlen, Region und Departement steuern den Rest bei. Für Löhne zwischen 1,4 und 1,6 SMIC beträgt die Erhöhung ist 4%, für die darüber 2%. Im öffentlichen Dienst gelten ähnliche Lohnerhöhungen.
Bei 400 Produkten werden die Preise in den großen Discountergeschäften um 20 % gesenkt. Bedeutende Preissenkungen wurden auch für Banktarife und die Mieten im sozialen Wohnungsbau festgelegt. Nach Ende des Streiks müssen die Verhandlungen bis zum 27. März in anderen bereichen fortgeführt werden, wie Landwirtschaft, Umwelt, Arbeitswelt, soziale Mindeststandards und auch Wasser- und Telefongebühren, Baumaterialien.
Die Umsetzung der verschiedenen Punkte der Vereinbarung wird durch thematische Kommissionen verfolgt, die ihre Schlussfolgerungen alle drei Monate veröffentlichen sollen. “ Das Kollektiv des 5. Februar nimmt sich das Recht, wieder zu streiken, sollten die unterzeichneten Vereinbarungen nicht respektiert werden, oder die Verhandlungen sich in die Länge ziehen”, warnte der Sprecher des Kollektivs, Michel Monrose.
Ein Volksfest
In den Straßen von Fort-de-France hat ein riesiges und fröhliches Volksfest diesen historischen “Sieg” gefeiert. “Diese kleine Revolution hat eine unglaubliche Volksenergie hervorgerufen, ein schönes Ausmaß an Solidarität, Großzügigkeit und Brüderlichkeit”. Die Leute von Martinique ließen der Freude darüber, zusammen etwas erreicht zu haben, freien Lauf. “Sie sind stolz darauf, etwas als Volk erreicht zu haben”, meldet Antony Toussaint, Mitglied des Kollektivs vom 5. Februar. Diese Freude wurde vom MEDEF offensichtlich nicht geteilt, dem die Mobilisation des Volkes eine schwere Niederlage zugefügt hat, da er die Vereinbarungen unterschreiben musste. Diese Bewegung “hat einen guten Anteil der Wirtschaftskraft der Insel zerstört”, beklagt sich Patrick Lecurieux-Durival, Präsident der der Zweigstelle dieser Arbeitgeberorganisation in Martinique, und er droht mit dem Verlust von 10'000 Arbeitsplätzen im Jahr 2009. Mit mehr Nuancen schätzt Alexandre Richol, Präsident der CGPME, es als unmöglich ein, die Betriebe „als Einheit zu sehen, die ausschließlich Gewinne produzieren müssen”. “Die soziale Dimension muss in Zukunft bedacht werden”, gab er zu. Einige sprechen sogar von einen “Mai '68 der Ant<st1:personname w:st="on">ille</st1:personname>n”, und der Präfekt von Martinique, Ange Mancini, sprach von einer “Bewegung einer sozialen Reichweite, die man noch nie gesehen hatte, und die bewirkt, dass nichts sein wird wie vorher”. Was auf seine Art auch Daniel Gromat der CGTM bestätigt: ”Wir werden nicht hier anhalten. Der Kampf geht weiter. Nach vierhundert Jahren der Herrschaft muss man jetzt von Gleichheit und Teilen sprechen, um die Zukunft unserer Kinder vorzubereiten.”
> http://www.humanite.fr/2009-03-16_Politique_Le-peuple-martiniquais-fete-sa-viktwa
Zum Nachlesen:
In französischer Sprache:
- > http://www.alencontre.org/dossier/guadeloupe.html
- > http://www.europe-solidaire.org/spip.php?rubrique489
- > http://www.cadtm.org/spip.php?article4301&var_recherche=guadeloupe
In englischer Sprache:



