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T. NDICHIA:

Wir träumen von dem Tag, an dem die Weltbank und der IWF einpacken und verschwinden

Demonstration in Berlin, 28.3.2009

Freunde, ich bringe Euch die Grüße der Menschen von Kamerun, von Afrika, von den armen Ländern dieser Welt. Ich kam, um Euch unsere Solidarität zu bekunden. Aber ich bitte auch um Euere Solidarität.

Gemeinsam müssen wir dieser Weltwirtschaftskrise standhalten, einer Krise, die das Leben aller unserer Familien, Frauen, Kinder und Männer überall auf der Welt beeinträchtigt. Kanzlerin Merkel sagte, die Deutschen werden gestärkt aus der Krise hervorgehen. Sie meint einige oberflächliche Änderungen, ein paar Milliarden EUROS mehr für dies und das, ein bisschen mehr Kontrolle der Banken.

Die Menschen in dem globalen Süden aber wissen, dass einige kosmetische Änderungen es nicht tun. Wir benötigen eine grundlegende Änderung der Struktur, in der unsere Wirtschafts- und Finanzsystem operiert, eine Änderung der Art, in der die Chancen zwischen Nord und Süd verteilt sind. Wir müssen innerhalb der Grenzen unseres gemeinsamen Erbes, dem Globus und unserer Umwelt, zu leben lernen. Solange die Armut und die Ungleichheit nicht überwunden ist, ist die Krise für die Armen nicht vorbei.

Ich bin unglücklich darüber, dass durch die Krise der Weltwirtschaft viele Familien in Deutschland und im Westen allgemein ihren Lebensunterhalt verloren haben. Ihr Leben wird abhängig von den Sicherheitsnetzen der Staaten. Sie müssen mit dem Minimum auskommen. Viele junge Leute bei uns haben ihre Träume verloren. Sie sind zurückgeworfen in Verzweiflung und sind abhängig davon, von jeder Art von prekärer Betätigung überleben zu müssen, die ihnen gerade über den Weg läuft. Es macht mich traurig zu sehen, wie junge Leute ihre Talente vergeuden.

Freunde, ich bin hier um Euch zu erzählen, dass die Menschen bei uns auch tief von der Krise betroffen sind. Die armen Leute bei uns haben Angst, dass sie das Wenige, was sie sich in den letzten 8 Jahren zusammengespart haben, auch wieder verlieren.
Wir lieben die Weltbank weiß Gott nicht. Aber selbst die sagt, dass 50 Millionen Menschen zusätzlich ihren Lebensunterhalt in den armen Ländern wegen der Krise verlieren werden. Könnt Ihr Euch vorstellen, dass in meinem Land so gut wie alle öffentlichen und privaten Investitionen eingestellt wurden, weil die Investoren kalte Füße bekommen haben? Stellt Euch vor, der Wert unserer Währung hat sich halbiert, weil die Investoren, sowohl die nationalen als auch die internationalen, ihr Geld genommen haben und es in Dollar, Yen oder EURO angelegt haben. Die Folge davon ist, dass wir jetzt doppelt so viel für unsere Kinder zahlen müssen, oder für Großmutters Medizin, und die Preise unserer täglichen Gebrauchsgüter sind ins Unermesslich gestiegen. Ihr müsst wissen, dass gleichzeitig die Nachfrage nach unseren Exportgütern eingebrochen ist. Unsere Regierung nimmt keine Steuer mehr ein und der Staatshaushalt basiert auf Pump. Bei uns gibt es kein soziales Sicherungsnetz, kein Hartz 4, keine Arbeitslosenversicherung, keine öffentliche Krankenkasse, keine kostenlose Schulausbildung, keine Altersrenten. Unsere Regierungen können nicht an die Börse gehen und Geld leihen. Sie gehen zum Internationalen Währungsfond, der uns schon in den letzten 30 Jahren so geschadet und geknechtet hat. Mehr als 1000 Milliarde Dollars werden jedes Jahr den Entwicklungsländern in einer illegalen Weise entzogen. Wenn dieses Geld für die Entwicklungsländer zur Verfügung gestanden hätte in all den Jahren, wäre heute Afrika nicht mehr arm und hätte euere Hilfe nicht mehr nötig.

Wir kämpfen die Schlacht der Finanzkrise. Wir können die Schlacht nicht gewinnen, wenn wir nicht Seite an Seite kämpfen. Lasst uns zusammen arbeiten, damit die stillschweigende Übereinkunft der Reichen im Norden und der Reichen im Süden endlich zum Ende kommt.

- Die Steuern auf die Wertschöpfung, die in unseren Ländern entsteht, müssen in unseren Ländern verbleiben. Eine Internationale UN Organisation für Finanzen muss das gewährleisten. Zusammen müssen wir die Steueroasen austrocknen.


- Das Fluchtkapital und die gestohlenen Vermögenswerte, die sich in den Finanzzentren dieser Welt und Steueroasen verstecken, müssen abgefangen werden. Eine vollkommene Transparenz und automatische Berichterstattung aller Banken an die zu schaffende Internationale Finanzorganisation kann das bewirken.

- Die Geschäfte der Hedge Funds und Finanzinstitutionen, die Risikopapiere bündeln und als Vermögenswerte weiterverkaufen, und die desaströsen Spekulationen mit Nahrungsmittel haben zu unterbleiben.

- Wir träumen von dem Tag, an dem die Weltbank und der IWF einpacken und verschwinden. Sie haben die Türen Afrikas für die Ausbeutung unserer Bevölkerung geöffnet und unsere Ressourcen und Umwelt dem Ausverkauf preis gegeben.

- Länder in der Schuldenfalle sollten sofort damit aufhören ihre Zahlungen an die Weltbank und IWF zu bedienen. Was wir brauchen ist einen fairen und transparenten Schuldenrückzahlungsmechanismus, der verhindert, dass die Schulden nur unter Verletzung der Menschenrechte zu bedienen sind.

- Die Steuerung des globalen Wirtschaftssystems sollte in den Händen der UNO liegen, nicht in den Händen der G8, der G20 oder des IWF oder der Weltbank. Was wir brauchen ist ein Ökonomischer Weltsicherheitsrat bei der UNO, in dem alle 192 Länder in einer demokratischen Art und Weise zusammenarbeiten.

Die Entwicklungsländer waren es gewiss nicht, die diese große Krise der Funktionsweise der globalen Ökonomie und des Finanzsystems verursacht haben. Dennoch sieht es ganz danach aus, als ob sie schrecklich stark von dieser Krise betroffen

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